Seattle Six: Die Entwicklung eines Plots

Die Grundidee der Seattle Six Reihe ist recht simpel: 6 Freunde, die sich auf dem College kennenlernten und auch über 10 Jahre später noch befreundet sind, und ihre Suche nach Mr. Right. Oder manchmal auch nur Mr. Right Now 😉
Aber diese Grundidee ist natürlich noch lange kein Plot. Schon gar nicht für die erste Geschichte Fremdes Begehren. Der Plot entwickelte sich, wie könnte es anders sein, nicht ganz wie geplant, und nahm (auch keine Überraschung) unvorhergesehene Abzweigungen.

Am Anfang stand der Sex. Genauer gesagt eine Sexszene. Sie stammt aus einer Kurzgeschichte, die ich für eine Ausschreibung verfasst hatte, die aber nicht genommen wurde (ich bemerke hier einen Trend – bei Pfad der Striemen fing’s ähnlich an). Immer bemüht, nichts umsonst geschrieben zu haben und alles wiederzuverwerten, dachte ich mir, ich nehme einfach diese Szene und baue einen ausführlichen Plot drum herum.

In der Szene geht’s um das erste Mal Sex von einem Mann mit einem anderen Mann. Ooookay, was machen wir daraus? Ich brauche zwei Charaktere. Einen, dem noch nicht ganz klar ist, dass er auf Männer steht, und einen, der absolut „out of the closet“ ist. Nachdem ich nicht wirklich ein Fan vom „Gay for You“ Konzept bin, wollte ich Typ Nr. 1 etwas mehr Background geben, so dass sein Interesse fürs eigene Geschlecht nicht urplötzlich auftritt, sondern ein lange verdrängter Wunsch ist.
Damit war auch klar, dass er keiner der Seattle Six sein konnte, weil die wissen, dass sie schwul sind (auch voneinander). Was mich zu Typ Nr. 2 brachte, und dann folgte die Berufssuche. Ich wählte etwas Naheliegendes, was mir hoffentlich Recherche ersparen würde (ha ha, der Punkt ging so was von nach hinten los) – einen Fotografen. Ich kenne mich einigermaßen mit Fotografie aus, also hatte ich da einen Bezugspunkt. Und ausnahmsweise schnell einen Namen: Gavin. Eine Überraschung, weil ich sonst tage- oder gar wochenlang über Namen brüte.
Dass Jamie dann Polizist wurde, war weniger eine bewusste Überlegung, sondern mehr der Gedankenblitz „jep, der ist Cop“. Wenn was passt, fragen wir Autoren nicht nach, warum das so ist. Just go with the flow … 😀

Zwei Männer, zwei Namen, zwei Berufe. Damit waren die Grundlagen geschaffen, fehlten noch ein Aufeinandertreffen und der Konflikt.

Also, wie krieg ich die beiden an einen Ort? Strafzettel verteilen? Zu oft gelesen. Gavin wird des Mordes verdächtigt? Zu kompliziert. Da müsste ich mir einen Kirmiplot einfallen lassen, und ich wollte nicht Romantic Suspense schreiben. Gavin fotografiert etwas, was mit einem Verbrechen zu tun hat? Siehe vorherigen Punkt.
Schließlich landete ich bei der Ausstellung. Jamie wird von seinem besten Freund zwangsrekrutiert, ihn zu begleiten, und trifft dort auf den Fotografen. Jetzt nicht gerade ein Ausbund an Originalität, dafür absolut plausibel und gleichzeitig eine gute Gelegenheit, Jamies Reaktion auf die Bilder nackter Männer einzuarbeiten.
Nach diesem Anfang entwickelte sich der Rest des Plots relativ geradlinig (und glaubt mir, ich wünschte, ich könnte das öfter behaupten). Gavin lädt Jamie zu einem Shooting ein (weil er hin und weg von ihm ist, aber das wissen zu dem Zeitpunkt nur Gavin und die Autorin), dann zu einem zweiten in den Bergen, und schon sind die beiden beim Flirten.
Der Konflikt, der sich durchs ganze Buch zieht, ist Jamies Kampf mit sich selbst, ob er sich wirklich seinen tiefsten Wünschen stellen will … und den Rest müsst ihr schon selbst lesen 😛
Dazwischen gab’s natürlich die unvermeidlichen Überraschungen beim Schreiben. Jamies Gespräch mit Takeo war nicht geplant, das ergab sich einfach, weil der Mann unbedingt mit jemanden reden musste. Die Vorliebe für obskure Science Fiction Filme entstand mitten in der Szene, und das Foto, das später in einer Tasche landet, war eine spontane Idee in dem Moment, in dem die Tasche im Zimmer auftauchte. So sehr ich auch meine Plots durchzuplanen versuche, weil mir das einen roten Faden gibt, so oft passieren solche spontanen Einfälle.

Was die Sexszene angeht, mit der alles seinen Anfang nahm: War ja klar, dass ich sie am Ende nicht einbaute, weil die Charaktere sich ganz anders entwickelten und es leichter ist, eine neue Szene für sie zu schreiben als eine bestehende umzuschreiben. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass ich diese 3.500 Wörte irgendwann irgendwo mit mehr Plot als nur „sie trafen sich und landeten im Bett“ unterbringe …

Später stellte ich beim Schreiben natürlich fest, dass ich doch jede Menge Recherche betreiben musste. Aber mehr dazu im nächsten Blogpost, wenn es wieder heißt: Hintergrundwissen zu Seattle Six, oder: Keine Planung eines meiner Schreibprojekte überlebt den Kontakt mit der Tastatur 🙂

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2 Gedanken zu “Seattle Six: Die Entwicklung eines Plots

  1. Sabrina schreibt:

    Liebe Eliza,

    vielen Dank für diesen Post. 🙂

    Es war sehr interessant zu lesen, wie die Novelle zu stande kam.
    Besonders üder den „Grund“, der es am Ende dann doch nicht in die Geschichte geschafft hat.

    Ich drück Dir die Daumen, das Du diese Szene für eine andere Geschichte verwenden kannst. Wäre ja wirklich schade, wenn sie in der Schublade liegen bleibt. 🙂

    Liebe Grüße,
    Sabrina

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