Neuauflage „Fremdes Begehren“

Da (psst) im Juni der 2. Band der SeattleSix-Reihe erscheint, wollte ich den 1. Band, Fremdes Begehren, auf den bestmöglichen Stand bringen. Dazu gehörte eine gründliche Überarbeitung und Erweiterung des bestehenden Kurzromans zu einem „normalen“ Roman, indem ich einen zweiten Blickwinkel und neue Szenen einfügte.

Als ich vor einigen Jahren (wow, das ist echt schon lange her) Fremdes Begehren schrieb, stand kein großer Masterplan dahinter. Ich hatte eine Grundidee von sechs schwulen Männern in Seattle, die in einigen Büchern ihren Partner fürs Leben finden sollten, und einen Plot für den ersten Band.
Primär ging es mir darum, erstens dieses hartnäckige Plotbunny loszuwerden, das dauernd von Jamie erzählte, der sich selbst endlich eingestehen müsste, dass er schwul ist, und zweitens wollte ich herausfinden, ob ich überhaupt eine zeitgenössische Romance schreiben kann.
Zu diesem Zeitpunkt, 2016, hatte ich zwar schon Liebesromane geschrieben, aber allesamt in einem Fantasy-Setting. Seattle der Gegenwart war ein völlig neues Pflaster für mich, und ich wollte sehen, ob ich mich auch in unserer Zeit wohlfühle.
Was ich tat. Endlich konnte ich Bezug auf Pop Culture nehmen, Fernsehserien erwähnen und mit Metaphern um mich werfen, ohne mich zu fragen, ob jemand in einer ans Mittelalter angelehnten Fantasywelt überhaupt »Dampf ablassen« kann.

Dabei beging ich einen Fehler, der mir erst viel später auffiel: Ich war so sehr auf Jamie und seine Entwicklung konzentriert, dass ich vergaß, dass sich die Reihe um Gavin und seine Freunde dreht. Gavin war der Katalysator für Jamies Entwicklung, erhielt selbst aber nicht den Raum, der ihm eigentlich zustehen sollte. Vor allem keine eigene Erzählstimme.
Im Nachhinein erscheint es mir nicht besonders klug zu sein, eine Reihe Seattle Six zu nennen und einem Vertreter dieser sechs Freunde nicht einmal eine Perspektive zu gönnen.
Nun ja, Fehler passieren, ich hatte noch nicht so viel Erfahrung im Schreiben, aber jetzt versuche ich, diesen Fehler zu beheben.

Als ich 2017 (ja, ich weiß, ich habe ewig gebraucht, um dieses Buch abzuschließen) mit Band 2 anfing, war von Anfang an klar, dass es eine direkte Fortsetzung von Jamies und Gavins Geschichte sein und dass Gavin diesmal seine eigene Perspektive bekommen würde. Ich schrieb die ersten zwei Szenen aus der Sicht von Gavin neu, nur um ein Gefühl für den Charakter, seine Denkweise und seine Stimme zu bekommen.
Dann dachte ich mir, ich könnte ja Fremdes Begehren in seiner Gesamtheit aus Gavins Sicht erzählen, weil es mir riesigen Spaß machte, die Ereignisse aus seiner Sicht zu schildern. Nur was sollte ich mit diesem Buch tun? Abgesehen davon, es meiner Mailingliste zur Verfügung zu stellen (eine Szene aus Gavins Sicht hatte ich schon einmal geteilt).
Ich wollte kein zweites Buch veröffentlichen, das exakt die gleichen Geschehnisse aus der Sicht des zweiten Hauptcharakters erzählt, weil mir das einfach redundant vorkommt. Ich wollte die Szenen aus Gavins Sicht nicht einfach hineinkopieren, weil die Leser:innen dann gleich hintereinander die doppelte Sicht bekommen hätten und das wird schnell langweilig.
Das Einzige, was für mich Sinn ergab, war, meinen ursprünglichen Fehler zu korrigieren, indem ich Fremdes Begehren erweitere und Gavins Perspektive einfüge, aber nur in NEUEN Szenen. Also galt es erst einmal herauszufinden, ob es neue Szenen geben kann, die den Leser:innen Gavins Entwicklung vermitteln, nicht langweilen und bei denen Jamie nicht dabei ist. Und, als Bonus, mehr seiner Freunde vorstellen als nur Greg, der schon in der Urfassung einen Auftritt hatte.

Neue Szenen waren schnell gefunden und ich schrieb Fremdes Begehren zur Hälfte neu. Dabei überarbeitete ich das bestehende Buch noch einmal gründlich und besserte einige Kleinigkeiten aus, die mich mittlerweile stören (Jamie kommt manchmal etwas sexistisch rüber und hat echt null Taktgefühl ggg). Außerdem schrieb ich neue Szenen mit Gavin, auch mit seinen Freunden, und hatte im Allgemeinen einfach viel Spaß damit, wieder Zeit in Seattle zu verbringen.
Diese Neuausrichtung von Band 1 dient gleichzeitig als Vorbereitung für die Überarbeitung von Band 2. Man sollte nicht glauben, was man auch als Autorin dieses Buches alles vergisst, aber im 2. Band plötzlich braucht.

Neuauflage bedeutet auch, dass ich schlicht und einfach eine neue Datei bei Amazon hochlade und damit das bestehende Buch ersetze. Wer das Buch bereits gekauft hat und die neue Fassung ebenfalls lesen möchte, muss nur das File aktualisieren, was natürlich kostenlos ist (manchmal funktioniert es mit „Aktualisierung anfordern“, meistens nicht. In dem Fall wendet euch bitte an den Kundendienst von Amazon, da ich keinen Zugriff auf die technischen Abläufe habe und leider nicht helfen kann. Alternativ dazu könnt ihr mir auch einen Screenshot des Kaufbelegs zukommen lassen und ich maile euch das neue File).

Quintessenz dieser überlangen Erklärung: Der erweitertete erste Band der SeattleSix-Reihe ist ab sofort HIER erhältlich. Inhaltlich ändert sich nichts, nur bekommt Gavin jetzt seine eigene Perspektive und jede Menge neue Szenen, ohne dass die bestehenden doppelt erzählt werden.
Der Roman hat jetzt 72.000 Wörter (also um 30.000 mehr als in der Erstauflage) und in ein paar Wochen wird es dazu auch eine Printausgabe geben.

Neuauflage von „Wünsche unter dem Winterstern“

Es gibt zwar im Moment leider nichts Neues aus meiner Feder (der Dayjob hält mich weiter fest in seinen Klauen), aber ich kann zumindest eine Neuauflage bieten.
Im Februar habe ich eine Anthologie mit drei Geschichten aus Neygara veröffentlicht, die ich euch jetzt, endlich auch passend zur Jahreszeit, noch einmal vorstellen (oder besser gesagt aufs Auge drücken 😉 ) möchte. Es gibt sie auch als Taschenbuch mit 251 Seiten.

Wünsche unter dem Winterstern dreht sich um sechs Männer aus Neygara, deren Wege sich auf einer Wintersonnwendfeier überschneiden. Dadurch berühren sich auch alle drei Storys, auch wenn sie unabhängig voneinander und in beliebiger Reihenfolge gelesen werden können.
Es hat sich nicht viel zur Erstauflage verändert, außer dass es einige Tippfehler weniger gibt und ich die ersten beiden Storys um jeweils ein paar Absätze erweitert habe.

Diesmal veröffentliche ich auch alle Geschichten einzeln, damit sich jeder die aussuchen kann, die ihn anspricht. Normalerweise macht man es umgekehrt, bringt zuerst die Einzelstorys heraus und dann einen Sammelband, aber ich war schon immer gern anders. Oder bin einfach nur unorganisiert 😛
Wer unbedingt ein Happy End braucht, dem empfehle ich, „Ein Wunsch unter dem Winterstern“ auszulassen, da diese Story ein sehr offenes Ende hat 😉
Bei „Der Sturm in meiner Nacht“ scheiden sich die Geister – ich finde, es hat ein schönes Happy For Now Ende, andere bezeichnen das Ende als doch recht offen.
Aber immerhin kann „Meine Liebe ist wie der Winterstern“ , semioffiziell die 3. Will & Grayce Story, mit einem klassischen Happy End aufwarten 🙂 Was bei den beiden Jungs oft nicht leicht ist *Autoren-Seufzer*

Von den sechs handlungstreibenden Männern haben zwei, nämlich Will und Grayce, schon eigene Geschichten bekommen, und drei der anderen (Chaniel, Levanyar und Nataniel) sind in eben diesen Storys schon aufgetaucht oder namentlich erwähnt worden. Damit Will nicht als einziger Mensch dasteht, kommt noch ein Mitglied der ilarischen Stadtwache auf die Wintersonnwendfeier.

Zur besseren Erkundung von Neygara im Winter gibt es alle drei Einzelstorys sowie die gesamte Anthologie bis Ende Februar auch für KU.

Hier noch die Cover der drei Einzelstorys in all ihrer minimierten Pracht 🙂

Antho_Winter_Wunsch_Cover V01_191x300 Antho_Winter_Sturm_Cover V01_191x300 Antho_Winter_Liebe_Cover V01_191x300