Manuskript-Montag: Seattle Six 2

Ja, es gibt noch mal einen Manuskript-Montag mit Seattle Six. Und vermutlich werden noch einige mit Auszügen folgen, nachdem das doch ein längerer Roman wird.

Heute stelle ich euch ein weiteres Mitglied der Freundesrunde vor: Xander. Als Schauspieler in der SF-Serie Starscape ist er meistens bei Dreharbeiten in Vancouver, kommt aber so oft es geht nach Seattle zurück, um seine Freunde zu besuchen.

Der Auszug ist wie immer unlektoriert und unkorrigiert.

Gavin öffnete die Haustür und deutete mit einer schwungvollen Bewegung an sich vorbei. »Komm rein.«
Xander drückte seine Faust an Gavins und marschierte an ihm vorbei. »Freut mich, dass es doch noch geklappt hat.«
Mich weniger. Aber er war zu höflich, um seinem Freund das zu sagen. »Willst du gleich anfangen oder zuerst was trinken?«
»Kommt darauf an, wie viel Zeit du hast.« Xander stellte seine Tasche neben der Couch im Wohnzimmer ab. Er trug ein weißes Hemd und Jeans, was Gavin an Jamie erinnerte. An ihr Fotoshooting in seinem Haus. Wo es diesen Moment gegeben hatte …
Toll. Ich werde beim Anblick von einem weißen Hemd nie wieder an was anderes denken können.
»Den ganzen restlichen Tag.« Leider. Gavin hatte vorgehabt, um diese Zeit gemütlich auf der Terrasse seiner Hütte zu sitzen, mit einem Drink in der Hand dem Bach beim Gurgeln zuzusehen und von einer ersten Runde Sex erschöpft und befriedigt zu sein.
»Ich dachte, du hast noch was Wichtiges vor?«
»Dachte ich auch.«
»Oh.« Xander ließ sich aufs Sofa fallen und streckte die langen Beine aus. Er sah noch müder aus als heute Vormittag. Nur seine Haare waren irgendwie anders. »Bist du versetzt worden?«
»Nicht wirklich. Warst du beim Friseur?«
»Ja.« Er strich mit einer Hand über die kurzgeschorene Seite. »Nachdem ich ohnehin eine Perücke trage, ist den Produzenten egal, welche Frisur ich habe.« Er zog an einer der längeren Haarsträhnen am Oberkopf. »Ganz im Gegensatz zum armen Rupert. Als er sich die Haare hat abschneiden lassen, sind sie ausgeflippt.«
»Sieht gut aus. Was willst du trinken?«
»Danke. Wasser, bitte. Ich war ein böser Bube und die ganze Woche nicht im Fitnessstudio. Muss mir mein Bier erst verdienen.«
»So viel Stress in der Arbeit oder anderwertig beschäftigt?« Gavin wackelte vielsagend mit den Augenbrauen.
»Ersteres. Wir hatten vier Drehtage bis elf Uhr abends, und nachdem ich jeden Tag um fünf am Set sein muss, war Training echt nicht drin.« Seufzend lehnte er sich zurück und fuhr sich mit beiden Händen übers Gesicht. »Spiel nie ein Alien, haben sie gesagt. Jedenfalls nicht mehrere Folgen lang, haben sie gesagt. Weil das Make-up ewig dauert.« Er verschränkte die Hände hinterm Kopf. »Und recht hatten sie.«
»So viel Make-up trägst du doch gar nicht.« Ishar, der Außerirdischen, den Xander in der Serie Starscape spielte, hatte ein paar Stirnwülste und einige Kerben in der Nase, also nichts, was Gavin für sonderlich aufwendig hielt.
»Seitdem wir HD drehen, ist das Make-up noch aufwendiger und dauert länger. Weil du jeden winzigen Fehler siehst. Also verbringe ich die Hälfte meiner Drehtage in der Maske.«
Gavin ging in die Küche und holte zwei Flaschen mit Wasser. Xander nahm sich eine und schraubte sie auf.
»Ein Gutes hat die Sache ja.«
»Abgesehen von einem großzügigen Scheck jeden Monat, internationaler Berühmtheit und der Sicherheit, dass sich daran die nächsten Jahre nichts ändern wird?«
»Verschrei es nicht. So eine Serie wird schneller abgesetzt, als uns allen in diesem Business lieb ist. Ich meinte damit, dass ich in letzter Zeit echt viel lese. Oder Hörbücher höre, während meine Engel an mir rumfummeln.« Er nahm einen langen Schluck. »Und du bist noch nicht vom Haken. Was ist mit deinem Date?«
»Warum gehst du von einer Verabredung aus?«
»Weil du diesen enttäuschter-Welpe-mit-dem-niemand-spielen-will-Blick aufgesetzt hast. Und den habe ich in den letzten Jahren sehr selten gesehen. Also bin ich jetzt natürlich mörderisch neugierig.«
Erwischt. »Okay, es war eine Verabredung.«
»Mann, Gav, jetzt lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen.« Xander winkte energisch mit zwei Fingern. »Details, Alter, ich will Details!«
»Es ist noch nichts Festes. Ich möchte ungern darüber plaudern, solange ich nicht weiß, wie sich diese Beziehung entwickelt.« Den Versuch war es wert, Xander damit zufriedenzustellen, auch wenn Gavin sich eine allzu großen Chancen ausrechnete, mit dieser mageren, wenngleich ehrlichen Auskunft davonzukommen.
»Ha!« Xander zeigte mit dem Finger auf ihn. »Du hast Beziehung gesagt. Also ist da schon mehr im Spiel.«
Gavin verdrehte die Augen. »Allgemein Beziehung zu einem anderen Menschen. Nicht im romantischen Sinn.«
»Mir doch egal, wie du es definierst.«
»Hast du heute beim Brunch nicht zugehört? Ich möchte noch nicht darüber reden.«
»Wirklich nicht?« Jetzt hatte Xander einen Welpenblick aufgesetzt. »Du weißt, dass du mir alles sagen kannst.«
»Natürlich weiß ich das. Ich will nur nicht.«

Mehr von Gavin, Jamie und ein klein wenig von Xander gibt es bald wieder auf diesem Kanal. Also schalten Sie ein, wenn es wieder heißt: „Seattle Six. Abenteuer in fremden Hosen.“ 😉

Werbeanzeigen

Manuskript-Montag: Seattle Six 2

Ich erkläre den heutigen Tag zum Manuskript-Montag und belebe diese Seite mit einem kleinen Auszug (unlektoriert, unkorrigiert) aus dem Manuskript, an dem ich zur Zeit arbeite – Teil 2 der Seattle Six-Reihe, die sich hauptsächlich um Gavin und Jamie, das Paar aus Teil 1 dreht und daneben einige der zukünftigen Protagonisten vorstellt.

Gavin trat aus dem Aufzug und konnte sich seinen Anfall von Nervosität nicht erklären. Jamie wusste, dass er kam, schließlich hatte er ihm die Haustür mit dem Summer geöffnet. Die ganze Woche hatten sie sich SMS geschrieben und ein paar Mal telefoniert. Es war ja nicht so, als ob sie einander völlig fremd wären. Sie hatten sogar schon Sex gehabt, und jede Befangenheit sollte spätestens damit verflogen sein.
Und dennoch kribbelte es in seinem Magen, als hätte er Ameisen zum Brunch gehabt und noch immer nicht verdaut, sein Herzschlag beschleunigte sich und seine Handflächen wurden feucht. Schnell wischte er sie an seiner Jeans ab und ging zur Jamies Wohnungstür.
Kaum hatte er angeklopft, als sie auch schon geöffnet wurde. Jamie stand in der Tür und trug nicht wie erwartet ein breites Grinsen im Gesicht, sondern ein schüchternes Lächeln. »Hi.« Er trat beiseite und machte eine einladende Geste. »Komm rein.«
»Hallo.« Gavin verharrte an der Schwelle. Sollte er ihm die Hand geben? Ihm umarmen? Ihn gar küssen? Besser nicht bei geöffneter Tür. Laut Jamie war seine Nachbarin eine Meisterspionin, von der jeder CIA-Agent noch etwas hätte lernen können. Er ging an Jamie vorbei, und als die Tür ins Schloss fiel, drehte er sich um. »Ich …« Er hob die Hände, wusste dann aber nicht, was er mit ihnen anstellen sollte, und ließ sie wieder sinken.
»Schön, dass du da bist.« Jamies Lächeln verblasste, und er fuhr sich mit einer Hand durch die kurzen Haare. »Hör zu, ich hab echt keine Ahnung, was das Protokoll für solche Fälle ist. Geben wir uns die Hand? Oder ist ein Kuss zur Begrüßung okay? «
Erleichtert schnaubte Gavin. »Was immer dir lieber ist.«
»Küssen.« Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen, und noch ehe sich Gavin darauf einstellen konnte, hatte Jamie die Distanz zwischen ihnen überbrückt und drückte die Lippen auf seine.
Der Kuss war eher ein Küsschen, mit geschlossenem Mund und ohne auch nur eine Spur Feuchtigkeit oder Leidenschaft. Vermutlich war das passend für eine Begrüßung. Aber es war auch total unbefriedigend.
Jamie trat einen Schritt zurück, und Gavin folgte ihm wie an einer unsichtbaren Schnur. Kaum hatte er die Arme um die Mitte des Mannes gelegt, verlor dieser jede Zurückhaltung, kam Gavin sofort entgegen und musste nicht im Geringsten herangezogen werden.
»Zu wenig?«, flüsterte Jamie und streckte einladend den Kopf vor.
»Viel zu wenig.« Gavin ließ sich nicht zweimal bitten und küsste ihn auf den Mund. Diesmal richtig. Ließ seine Zunge über die weichen Lippen gleiten, öffnete sie, ohne auf Widerstand zu stoßen, und dann explodierten die Schmetterlinge in seinem Bauch und hinterließen Hitze, die sich durch seinen ganzen Körper zog.
Jamies Hände landeten auf seinem Nacken, eine wanderte seinen Rücken hinunter, während die andere durch Gavins Haare streichelte, und dann zog Jamie ihn an sich. Ihre Hüften berührten sich, ihre Brust ebenfalls, und keiner hatte eine Chance zu verbergen, wie sehr dieser Kuss ihn in Aufregung versetzte.
Aus dem einen Kuss wurden mehrere, bis sich nicht mehr sagen ließ, wo einer aufhörte und der nächste anfing. Irgendwie schafften sie es, dabei nicht zu ersticken. Gavin zerrte an Jamies Shirt, weil er mehr spüren wollte als nur Stoff. Er brauchte Haut, brauchte die Muskeln darunter, musste den ganzen Mann spüren, der sich ihm entgegendrängte und das komplette Gegenteil des unsicheren, nahezu schüchternen Kerls war, den er vor einer Woche in seiner Hütte in den Cascades erlebt hatte.
»Wir sollten …«, stieß Jamie hervor, nur um gleich darauf mit den Zähnen an Gavins Unterlippe zu ziehen.
»Was?« Mehr brachte Gavin nicht heraus. Die leichten Bisse lösten minimalen Schmerz aus und maximale Lust.
»Auto.« Jamies Hand landete auf Gavins Hintern, und die Finger gruben sich hinein. »Hütte.« Diese wunderbare Hand presste Gavin noch fester an Jamies Schritt, und bei der harten Länge unter dem Jeansstoff überluden Gavins Gehirnzellen und blinkten nur noch hektisch, statt irgendwelche sinnvollen Infos weiterzuleiten.
Da war was mit Hütte gewesen. Und Autofahren.
Seine Hütte.
In den Bergen.
Wo sie das Wochenende verbringen wollten.
Ja, genau, das war der Plan gewesen. Ein guter Plan. Je früher sie aufbrachen, desto mehr Zeit könnten sie dort verbringen. Allein. Ungestört. Weitab von lästigen Nachbarn und alltäglichen Verpflichtungen.
»Richtig«, brachte Gavin zwischen zwei hektischen Atemzügen heraus, nur um gleich darauf wieder diesen weichen, feuchten Mund zu attackieren.
Dort hatte er Jamie das erste Mal nackt gesehen.
Und das war’s dann wieder mit seiner Hirntätigkeit.
Jamie nahm den Kopf zurück, weit genug, um ihm in die Augen zu sehen. »Es wäre vermutlich sicherer, wenn wir zuerst diese … Anspannung loswerden.«
»Sicherer«, echote Gavin und schob beide Hände unter Jamies Shirt, bis sie auf seiner Brust lagen.
»Ja. Sonst kannst du dich nicht aufs Fahren konzentrieren.«
Gavin musste grinsen. »Da kommt der Cop durch, oder?«
Jamie zuckte leicht mit den Achseln. »Wenn du es so nennen willst …« Er zog einen Mundwinkel hoch, was in einem halbseitigen Lächeln endete. »Ich wollte dir nur die Chance geben, einen guten Grund zu haben, damit wir gleich jetzt und hier Sex haben und nicht zwei Stunden warten, bis wir in der Hütte sind.«
»Ich bin scharf auf dich. Reicht das nicht als Grund?«
»Guter Grund«, murmelte Jamie, nahm seine Hand und zog ihn mit sich.
»Schlafzimmer?« Gavin hätte es auch an Ort und Stelle im Flur getan, musste aber zugeben, dass ein Bett bequemer klang.
»Yep. Sonst reiß ich dir hier die Jeans runter und wir sauen den Gang ein, weil ich in der Garderobe keine Kondome aufbewahre.«
»Ein Fehler.«
»Ich werde ihn demnächst beheben.«

Hintergründe zur Anthologie: „Meine Liebe ist wie der Winterstern“

Heute geht’s um die 3. und letzte Story in der Anthologie Wünsche unter dem Winterstern.

Meine Liebe ist wie der Winterstern ist eine weitere Geschichte um Will und Grayce, die der geneigte Leser bereits aus Pfad der Striemen und Weg des Vertrauens kennt. Und falls diese beiden Geschichten unbekannt sind, so hoffe ich doch, dass die Story in der Anthologie auch ohne Vorkenntnisse verständlich ist.
Mit über 33.000 Wörtern ist sie die längste Story in der Sammlung und rangiert unter Novelle. Sie durchlief auch von all meinen veröffentlichten Werken die stärkste Veränderung, was mich gute 2 Monate kostete, um daraus die Story zu machen, die ich haben wollte.

An dieser Stelle folgt wieder eine Spoilerwarnung – wer die Novelle noch nicht kennt, sollte diesen Beitrag erst nach dem Lesen der Story zu Ende lesen 🙂 Für die Neugierigen geht’s unter der Grafik weiter.
Die Idee zu dieser Story kam mir, als ich einen Roman las, in dem einer der Partner beim Sex ohnmächtig wird und sein Freund mit einem fetten Grinsen danebenliegt und sich wie der größte Liebhaber aller Zeiten vorkommt, weil er seinen Mann ins Koma gevögelt hat.
Da setzte sofort mein Widerstand ein, weil ganz ehrlich, wenn mir so was passieren sollte, bin ich in erster Linie besorgt und in zweiter Linie … leicht panisch. Eine normale Person reagiert bei so etwas, v.a. wenn es zum 1. Mal geschieht, mit Sorge und Angst.
Daraus ergab sich die Frage, was muss passieren, damit ein durchaus kräftiger Mann einfach so umkippt. Nun, in dem Fall konnte ich (leider) auf ein paar persönliche Erfahrungen zurückgreifen. Bei Fieber gepaart mit heftigen Schmerzen wird einem schon mal schwarz vor Augen.
Also verpasste ich dem Elfen eine Grippe, weil es ohnehin wenig Storys gibt, in denen der Held einen Schnupfen hat 😛
Es folgte Recherche, wie krank ein Mann sein muss, damit er keine Lust mehr auf Sex hat bzw. es physisch unmöglich ist. Die Befragten (2 Männer und meine medizinische Fachfrau) waren sich einig, dass eine Erkältung kein Hindernisgrund ist, eine voll ausgebrochene Grippe schon. Also bekam Grayce eine Grippe, die gerade im Entstehen ist, wo demnach Sex noch plausibel ist, auch wenn der Elf da bereits abgeschwächter reagiert.

Dazu kam dann noch ein wenig Beziehungsstress, weil Will auf der Feier auf die absurde Idee kommt, dass es doch gar nicht so verkehrt wäre, wenn er mit seinem Freund zusammenzieht. Nun steht Grayce diesem Vorschlag zwar nicht prinzipiell negativ gegenüber, aber aus einem Haufen praktischer Gründe kann er das nicht tun.
In dem Fall trifft es sich, dass ich den danach spielenden Roman bereits geschrieben habe und genau weiß, was Grayce zu vermeiden versucht (in der Novelle mit Absicht etwas vage gehalten, um den Roman nicht zu spoilern).
Der Rest der Handlung fügte sich zunächst problemlos zusammen – Will muss Hilfe bei Levanyar suchen (und erstickt nicht daran), er darf die Krankenschwester mimen (was er gar nicht mal so schlecht macht), Grayce ist grummelig und grantig und peinlich berührt und wir lernen zum ersten Mal ein Mitglied seiner Familie kennen (Auftritt: kleiner Bruder).
Und dann begannen die Probleme.

Plötzlich tauchte ein Subplot auf, der nie geplant war. In meiner Begeisterung jagte ich diesem Plotbunny hinterher und bekam nicht mit, dass damit die Story aus dem Gleichgewicht geriet. Es ging jetzt um viel mehr, als diese Novelle verkraftet.
Das bemerkte ich erst, als die Geschichte beendet war, und brauchte Wochen, um überhaupt draufzukommen, was nicht stimmte. Die ganze Struktur war im Eimer – am Ende hatte ich auf einmal 4 Sexszenen in knapper Folge hintereinander, was selbst für eine Geschichte, in der viel Erotik vorkommt, zu viel war.
Als Erstes eliminierte ich den Subplot und alle Verweise darauf. Ich sag jetzt mit Absicht nicht, was es war, weil ich die Idee an anderer Stelle einbauen möchte (es geht um Sex und Magie – ich hoffe, ihr seid jetzt neugierig ;-)).
Damit blieb noch immer eine chaotische 2. Hälfte der Novelle, und um die zu überarbeiten, brauchte ich den ganzen Januar und einen Großteil des Februars.
Die Kommentare meiner Betaleser waren wie immer enorm hilfreich, aber leider auch etwas widersprüchlich. Will polarisiert 😀 Also feilte ich lange daran herum, den Magier keine seiner negativen Eigenschaften zu nehmen (und seien wir mal ehrlich, davon hat er genug), ihm aber dabei zu helfen, ein paar Mal über seinen Schatten zu springen (der gute Mann soll sich ja weiterentwickeln).
Ich schrieb eineinhalb Szenen neu, schmiss 2 weitere komplette Sexszenen sowie eine halbe hinaus (eine Szene kürzte ich stark ein), um den Fokus weg von der Erotik und hin zu Romantik und Gefühlen zu bringen, weil darum geht es schließlich im Kern der Geschichte. Ein Mann lernt, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen, ein anderer lernt, nicht immer alles sofort zu wollen, sondern auch mal warten zu können. Beide lernen, dass ein Streit eine Beziehung nicht gleich in Frage stellt und dass offene Kommunikation Wunder wirken kann.
Die letzte Szene ist dann wirklich kitsch as kitsch can. Ich hab noch nie so etwas Schmalziges geschrieben, doch es passte einfach zur Situation und sogar zum Charakter. Grayce mag es nicht oft herauslassen, aber im Grunde seines Herzens ist er verdammt romantisch.

Tja, jetzt hoffe ich, dass ihr euch mit mir auf die Roman-Fortsetzung freut, die ein paar Monate danach spielt und Grayces persönlichen Super-GAU beinhaltet – sein Freund und seine Mutter in einem Zimmer 😛

Aber vorher sollte ich endlich den 1. Roman der Reihe schreiben, damit die Frage geklärt wird, wie die beiden sich kennenlernten. Ich sage dazu immer: Kommen ein Elf und ein Mensch in eine Bar …

Cover Wünsche unter dem Winterstern

Wille und Wahrheit: Der Roman ist fertig. Ich auch.

Die Rohfassung von Wille und Wahrheit ist fertig.
120.500 Worte, 55 Szenen, 27 aus Wills Sicht, 28 aus Grayces, 2 Monate Schreibzeit, 1 kaputte Autorin.

Ich bin etwas überrascht über die doch ziemlich gleichmäßige Szenenverteilung. War nicht geplant, hat sich ergeben. Danke, Unterbewusstsein.
Ich bin auch gespannt, wie viele Worte ich beim Überarbeiten verlieren werde. Ich rechne mit mindestens 10 % des Wordcounts, also fliegen 10.000 Wörter sicher raus, weil ich dazu tendiere, manchmal etwas redundant zu schreiben. Okay, die kritischen Stimmen, die das Streichen von „manchmal“ verlangen, überhöre ich einfach 😛

Ich gönn mir jetzt ein Glas Wein und lass den Roman in aller Ruhe abliegen.
Zur Abwechslung schreib ich heute Abend was hübsch Zeitgenössisches, wo man keine Boten schicken muss, sondern Handys hat, keine Droschken bemüht, sondern ein Auto nehmen kann, und Mordermittlungen von moderner Technik unterstützt werden. Nachteil: Keine Magie 😦
Das wird der 1. Teil der Seattle Six-Reihe und soll noch vor der Frankfurter Buchmesse erscheinen.

Zum Abschluss ein Appetithäppchen (unkorrigiert):
Grayces Blick ruhte auf ihm, dunkel und starr, nur der schmale Kranz an flüssiger Jade loderte auf. »Du wirst mich nicht ersetzen«, flüsterte er heiser.
»Und warum nicht?« Wills Stimme klang genauso kratzig. Das Begehren hatte sich nicht verflüchtigt, sondern war durch Grayces Widerstand erst recht aufgestachelt worden.
»Weil ich dir etwas gebe, was du brauchst.«
»Und das wäre?« Will fielen ohne nachzudenken eine Menge Dinge ein, die er von dem Elfen bekam. Zuneigung, Respekt, Freundschaft. Ein offenes Ohr für seine Probleme, Ratschläge und Unterstützung. Einen traumhaften Körper und die Möglichkeit, seine sexuellen Fantasien auszuleben. Er war neugierig, was Grayce anführen würde.
Der Elf öffnete den Mund und klappte ihn wieder zu, als es hart an der Tür klopfte.
Nein. Noch nicht! Verschwinde! Will wollte hören, was Grayce zu sagen hatte.
»Darf man reinkommen, oder braucht ihr noch eine Minute, um euch wieder anzuziehen?«, ertönte Niamats laute Stimme aus dem Gang.

buchcover_04_Roman_02_cyan_400x600

P.S. Das Cover hier ist noch nicht endgültig, ich feile noch am Entwurf.

Update „Wille und Wahrheit“

Liebe Lesende!

Der unerwartete Erfolg von Pfad der Striemen, was ja als technisches Experiment gestartet war, warf meine ganzen Schreibpläne über den Haufen. Nachdem offensichtlich großes Interesse am Nachfolger bzw. dem tatsächlichen ersten Band, der klassischen Kennenlernstory von Will und Grayce, besteht, rückte das in meiner Prioritätenliste weit nach vorne.
Vorher wollte ich die nächste Kurzgeschichte mit den beiden schreiben, zur Überbrückung bis zum Winter, und fabrizierte mir damit ein wunderschönes Eigentor.

Wille und Wahrheit startete als eine Kurzgeschichte, von der ich schon die Hälfte (ungefähr 6.000 Wörter) hatte. Als ich weiterschreiben wollte, machte meine Muse mittendrin einen Schwenk zu Drama. Da ich ja keinem Plot Bunny widerstehen kann, dachte ich mir, gucken wir mal, wo das hinführt. Tja, wohin es führte, gefällt mir zwar prinzipiell (ja, ich kann auch Handlung zwischen dem Sex ;-)), aber aus der Kurzgeschichte wurde so innerhalb eines Tages Plottens und Planens eine Novelle.
Nun gut, denkt sich die Autorin, dann eben eine längere Story, ist doch wunderbar. Habt ihr mehr zum Lesen, und ich muss mich längenmäßig nicht beschränken.
Dann erreichte ich die 30.000-Wort-Marke, was eine hübsche Gesamtlänge für eine Novelle ist, und stellte fest, dass ich noch nicht einmal die Hälfte des Plots erzählt hatte.
Ups.
Okay, Pläne erneut umgeschlichtet. Wille und Wahrheit ist auf dem besten Weg zum Roman, was den Nachteil hat, dass es sich unter Garantie nicht mit einer Veröffentlichung im Juli ausgeht. Die Kurzgeschichte wäre kein Problem gewesen, aber nein, die Muse musste ja durchdrehen und mir da einen Mord und Ermittlungen in die Story packen.

Also peile ich jetzt Ende Sommer als Veröffentlichungstermin an. Ich bezweifle, dass es sich noch im August ausgeht, weil neben dem reinen Schreiben bei einem Roman das Überarbeiten auch länger dauert, ist ja auch mehr Text, an dem ich feilen muss. Die Betaleser brauchen auch länger zum Lesen, ich wiederum länger, um die Anmerkungen durchzugehen etc. Aber he, vielleicht schaffe ich es ja doch?

Jedenfalls macht das Schreiben großen Spaß, auch wenn sich wie üblich die Hauptcharaktere nie so entwickeln, wie ich das vorgesehen habe. Nachdem ich jetzt mehr als 50.000 Wörter über Will und Grayce geschrieben habe, kenne ich sie ganz gut und weiß, wie sie ticken. Wäre schön, wenn mir das mal nach nur 10.000 Wörtern passieren würde, aber das wird’s wohl nie spielen. Ich entdecke Charaktere beim Schreiben und erlebe dabei andauernd Überraschungen. Wer hätte gedacht, dass Grayce eine sarkastische Ader hat? Ich vor dem Schreiben nicht.

Wer sich schon auf eine kurze Sommerlektüre in Form einer weiteren Kurzgeschichte aus Neygara gefreut hatte, den muss ich leider auf den Spätsommer vertrösten. Dafür bekommt ihr dann mehr geboten als nur eine kleine Story, was das Lesevergnügen hoffentlich erhöht.

Ich setz mich dann mal wieder an die Tasten, ein Roman tippt sich nicht von alleine, und lasse euch ein Vorschaubild vom Cover da, als das Ganze noch als Novelle gedacht war. Wobei sich auch das Hauptmotiv noch ändern wird, weil es Zeit wird, dass wir Grayce mal von vorne sehen 😀

Wille und Wahrheit